Frei zu sein bedeutet nicht nur, seine eigenen Fesseln zu lösen, sondern ein Leben zu führen, das auch die Freiheit anderer respektiert und fördert. ~ Nelson Mandela



66-Tage-Challenge: persönliche Ziele

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7 Kommentare
Dieser Blog gleicht mehr einer Baustelle als irgendetwas anderem und das werde ich in der nächsten Zeit auch erstmal nicht ändern. Denn es passt sogar ganz gut zu meinem aktuellen Projekt: der 66-Tage-Challenge. Warum 66? Die 66 ist nicht nur eine sphenische Zahl (eine sphenische Zahl ist eine Zahl, die das Produkt von genau drei Primzahlen ist, also 66 = 2*3*11), sondern auch die Anzahl der Tage, die ein Mensch durchschnittlich braucht, um neue Gewohnheiten zu etablieren. Und genau das ist mein Ziel!

In letzter Zeit hab ich alles immer irgendwann gemacht. Meistens genau dann, wenn ich zeitlich schon sehr knapp dran war. Zwei Tage vor Abgabeschluss fällt mir auf, dass ich mir nur eine von fünf Aufgaben meines aktuellen Übungsblatts überhaupt erst angeschaut hat, von gelöst wollen wir noch gar nicht reden. Wenn ich eine Rechnung bekomme, schaue ich mir das Datum an und lege sie weg, mit dem Gedanken: "Ach, das muss ich spätestens in 10 Tagen überweisen, das hat ja noch Zeit." Zehn Tage später suche ich dann verzweifelt eine Lücke in meinem Tag, in der ich das erledigen kann. Zum Wäsche waschen kann ich mich erst aufraffen, wenn sich keine saubere Kleidung mehr in meinem Schrank befindet. Und und und... 

Auf Dauer wird das sehr anstrengend. Ich laufe mir nur noch selbst hinterher und hab meine Mühe damit, mich nicht von mir selbst abhängen zu lassen. Deswegen hab ich schon einige Anläufe gestartet, meine Aufschieberitis in den Griff zu kriegen. Bisher war ich damit nur mäßig bis gar nicht erfolgreich. Doch irgendwann kommt immer ein Punkt, an dem es reicht. Entweder weil jemand von außen anklopft oder weil man sich selbst nicht mehr aushält. Letzteres ist bei mir gestern eingetroffen. Ich hatte die Nase voll davon, mir jeden Tag vorzunehmen zu lernen, aufzuräumen, produktiv zu sein und am Abend von mir selbst enttäuscht zu sein.

Deswegen hab ich gestern eine schöne Excel-Tabelle geschrieben. Jeder Tag hat eine Zeile und jeder Lebensbereich eine Spalte. Da stehen jetzt so schöne Dinge wie Studium, Arbeit, Essen, Sport und so weiter. Und plötzlich erschien mir mein Plan, dieses Semester fünf Klausuren zu schreiben, realistisch. Mein Lernstoff ist auf einmal so kompakt und gar nicht mehr so viel, wie ich dachte. Das heißt, ich werde auch noch genug Zeit für alles andere haben. Hurra!

Top motiviert bin ich dann gestern Abend ins Bett gegangen – um dann heute früh festzustellen, dass ich wie immer keine Lust hab, mit Lernen anzufangen. Ich weiß nicht mehr, was der Auslöser war, aber gegen Mittag konnte ich mich schließlich doch aufraffen, wahrscheinlich weil ich Angst vor meiner Enttäuschung von mir selbst hatte, die heute Abend vermutlich noch größer als sonst gewesen wäre.

Anstatt von mir selbst enttäuscht zu sein, bin ich jedoch ziemlich stolz. Ich hab meine Lernziele heute alle erreicht und außerdem eine tolle Lerntechnik für mich entdeckt. Ich hatte schon öfter von dieser Technik gehört und in einem prokrastinativen Moment vor ein paar Tagen wieder darauf gestoßen. Es ist die Pomodoro-Technik. "Pomodoro" kommt aus dem Italienischen und bedeutet "Tomate", weil der Küchenwecker des Erfinders Francesco Cirillo die Form einer Tomate hatte. Eine Küchenuhr (alternativ geht auch ein Handy-Timer, aber eine mechanische Uhr sei besser, weil man dann entschiedener an eine Aufgabe herangehe) ist elementar für diese Technik: Man stellt sich die Uhr auf 25 Minuten ein und setzt sich an eine Aufgabe von seiner To-Do-Liste. Sobald die Uhr klingelt, darf man 5 Minuten Pause machen, wobei man hier auch wieder die Uhr stellen muss. So hält man sich verbindlicher daran und überzieht die Pause nicht. Nach der Pause kommen wieder 25 Minuten lernen. Nach vier pomidori, wie die 25-Minuten-Abschnitte genannt werden, darf man eine längere Pause einlegen. Diese sollte 15 bis 20 Minuten dauern.

Ich war überrascht, als ich feststellte, dass man leicht vergisst, wie viele pomidori man schon am Stück hinter sich hat. Ich hab deswegen eine Strichliste angefangen und, sobald ich vier Striche hatte, eine längere Pause eingelegt. So hab ich heute insgesamt vier Stunden gelernt und es kam mir nicht mal wie zwei Stunden vor! Irgendwann konnte ich mich allerdings nicht mehr konzentrieren, sodass ich den letzten pomodoro nach der Hälfte unterbrach, mir meine Laufschuhe schnappte und eine Runde im Park laufen ging.

Unterwegs kam mir dann auch die Idee für diese Blogaktion. Weil ich heute nur mäßig erfolgreich war (es nervt mich immer noch, dass ich den Vormittag vertrödelt hab), möchte ich gerne meine Erfolge dokumentieren. Ich möchte, dass es auch andere Leute wissen, wenn ich wieder mal daran gescheitert bin, mich zu motivieren. Ich möchte meine Erfolge festhalten, sodass ich abends sehe, was hab ich geschafft – und was nicht. Ich möchte neue Gewohnheiten schaffen und ich hab noch keine Ahnung, wie diese genau aussehen werden. Das wird sich in den nächsten Tagen und Wochen zeigen.

Ich nehme mir dafür 66 Tage, weil solange ein Mensch durchschnittlich braucht, um neue Gewohnheiten zu etablieren. Ich nehme mir dafür 66 Tage, weil das die Zeit ist, bis ich alle meine (Haupt-)Klausuren geschrieben hab und ich zumindest bis dahin ein bisschen Struktur in meinem Leben hab, selbst wenn ich an den Gewohnheiten scheitern sollte (was nicht passieren sollte, aber man weiß ja nie). Ich nehme mir dafür 66 Tage, weil das nicht zu kurz und nicht zu lang ist, um mal was Neues auszuprobieren.

Tag 1 beginnt morgen. Heute ist Tag 0.



Noch

Datum-Countdown mit JavaScript


bis zum Ende dieser Challenge!


Kommentare:

  1. Hallo, ich schreibe diesem Kommentar nun zum 4. Mal bin jetzt zu faul um noch ausschweifend formulieren zu wollen.

    Ächz. Also. Punkt eins ist, dass ich mir wahrscheinlich selber ein 66 Tage Projekt einrichten sollte.

    Punkt zwei, meine beste Freundin ist inzwischen auch zum Mathefreak geworden, auch wenn sie wahrscheinlich Chemie studieren wird (sie macht erst nächstes Jahr Abi). Gerede über Bücher und Star Wars kann man ja aushalten. Aber Primzahlen? :P ich bin kein Fan von Primzahlen.

    Punkt drei, Ich bin Preisträgerin beim Landeswettbewerb Deutsch nachdem ich eine verrückte Nachtschicht eingelegt habe um meinen Text zu schreiben. Bähm, Mulan ist stolz wie Oskar, auch wenn sie es manchmal selbst kaum glauben kann/will (aus falscher Bescheidenheit? :P)

    Die 66 Tage Gewohnheit täglich eine Stunde schreibend zu verbringen sollte ich mir echt zulegen, statt sowas in irrsinnigen Nachtschichten zu erledigen. Es schadet mir fast, den Landeswettbewerb gewonnen zu haben, weil ein beknackte Verhaltensweise meinerseits dabei belohnt wurde :D

    Ich hab neulich einem Neuntklässler den Tipp gegeben, nicht allzu fokussiert auf einzelne Fächer zu lernen nur auf bestimmte Einzelnoten fixiert zu lernen sondern im Großen und Ganzen ein passables Ergebnis zu erarbeiten. Und dementsprechend einfach regelmäßig allgemein an den wichtigsten Dingen arbeiten. Ich sollte mich an meine eigenen Tipps halten.

    lg Mulan

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    1. Also ja, das war die Kurzfassung ;-)

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    2. Hasst Blogger dich mal wieder? ;P Aber danke für deine Geduld, den Kommentar 4x zu schreiben :))
      Primzahlen sind doch so was Schönes :D
      Wuhuu, Glückwunsch!! Hat dir da eine Nachtschicht gereicht?
      Haha, ich war jetzt längere Zeit darauf fokussiert, gar nicht zu lernen :D
      Du bist jetzt schon mit dem Abi durch oder? :)

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    3. Arrgh, nicht nur das, mein Handy spinnt inzwischen auch...

      Ich hab ja grundsätzlich nichts gegen Primzahlen, ...ABER wehe meine Tochter heiratet eine!!! ;-)

      Naja, die Idee hatte ich schon bei der Zugfahrt zu den JMT16 :-) und den großteil habe ich schon notiert gemacht, ich habe also den Anfang abgetippt und dann noch das Ende aufgeschrieben, hatte aber eigentlich schon alles in meinem Kopf.

      Hmm, ich inzwischen auch :-)

      Nein, in sechzehn Tagen halte ich noch eine Präsentationsprüfung in Geschichte, erst dann bin ich durch und das Ende des Abiturs zieht sich grad irgendwie gegen Ende so hin, dass es sich nicht befriedigend anfühlt... abgesehen davon erfahre ich erst nächste Woche meine Noten. Aber grundsätzlich, ja, ich bin durch :-)

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    4. Ach ja, mir fällt ein, die Schreibnacht-Etappen sind auch nach etwas Ähnlichem wie der Pomodoro-Technik gegliedert, mit 50 Arbeitsminuten die sich mit 10 Pausenminuten abwechseln, in denen der Chat und Twitter meist heißlaufen. Ich denke, die genaue Länge ist nicht so wichtig, wesentlich ist eher, dass man einen Rhythmus hat, der Pausen beinhaltet.

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  2. Hey Lioba,

    ich wünsche dir schon mal viel Erfolg bei der 66 Tage Challenge! Das Problem mit dem Aufschieben habe ich auch ständig, aber so ganz wird man das wohl auch mit immer neuen Gewohnheiten nicht los. Die Pomodoro Technik ist ehrlich gesagt auch nicht so ganz mein Ding, ich hab das schon ein paar Mal ausprobiert, aber wenn ich einmal drin bin, dann will ich auch nach 25min nicht schon wieder aufhören und die Pause wird bei mir meist wesentlich länger bzw. bei 5 Minuten weiß ich dann nicht, was ich in meiner Pause tun soll. Wenn ich das Gefühl habe, dass ich nichts auf die Reihe kriege und alles nur vor mich herschiebe, stelle ich mir meist den Wecker eine Stunde früher und erledige einiges schon vor dem Frühstück. Ich bin aber auch ein totaler Morgenmensch und dann wirklich fast immer top motiviert, was im Laufe des Tages nachlässt ^^

    Liebe Grüße
    Chrisi

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    1. Danke! :)
      Die Probleme mit der Pomodoro-Technik kenne ich, die haben sich jetzt bei mir auch schon gezeigt. Aber ich glaub, das pendelt sich allmählich ein. 5 Minuten Pause zwischendrin sind zum Beispiel ideal, um die Kanne Tee wieder aufzufüllen, die bei mir beim Lernen immer auf dem Schreibtisch steht, oder um leeres Papier zu holen, mal aufs Klo zu gehen, das Fenster aufzumachen und und und. Aber dazu schreib ich noch was im nächsten Post :)

      Den Wecker hab ich auch schon versucht früher zu stellen, das ist auch noch ein aktuelles Problem, das Aufstehen... Ich finde meine Motivation meistens erst, wenn ich schon eine halbe Stunde beim Lernen sitze, und das ist ziemlich doof, weil so das Anfangen die größte Hürde darstellt. Aber cool, wenn das bei dir funktioniert, da bin ich schon ein bisschen neidisch ;)

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