Frei zu sein bedeutet nicht nur, seine eigenen Fesseln zu lösen, sondern ein Leben zu führen, das auch die Freiheit anderer respektiert und fördert. ~ Nelson Mandela



Wie ich einmal die entspannteste Deutsch-Klausur meines Lebens schrieb

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6 Kommentare
Es war einmal... okay, okay, es war heute. Sechs Schulstunden Deutsch-Klausur. Vorabitur. Auch wenn ich ziemlich dankbar für diese Möglichkeit war, schon mal im Voraus zu sehen, was uns im Abitur erwartet, war ich trotzdem alles andere als motiviert für diese Klausur. Null vorbereitet hab ich mich da heute reingechillt und mir fest vorgenommen, den Kommentar zu wählen. Gedichtanalyse, Dramenanalyse, Analyse eines epischen Textes, das verfolgt mich schon seit Ewigkeiten. Und was mich richtig daran nervt: Überall heißt es, es gibt keine "falschen Interpretationen". Jeder Mensch interpretiert etwas anderes. Joa, in einer Geschichts-Ex stand mal folgender Kommentar:
"Interessante Interpretation, aber leider falsch." Seitdem hab ich ein Lebensmotto, was Deutsch-Interpretationen betrifft.

Also der Kommentar. Aber das Thema für den Vortrag (Aufgabe IV) klingt auch nicht schlecht: Frauenpower. Nö, du hast dich für den Kommentar entschieden. Also los! "Leseverhalten von Jugendlichen und welchen Einfluss die Schule dabei hat" oder so ähnlich. Kein schlechtes Thema, aber das andere hat mich schon auch gebitzelt.

Drei verschiedene Texte hatte ich zur Verfügung und 290 Minuten Zeit. Ein ganzer Formittag (hmm, das sieht interessant aus...). Erstmal in Ruhe die Texte durcharbeiten, alles anmarkern, was geht, und dann grob zusammenfassen. Alle gemeinsamen Aspekte sortieren und drei Argumente sowie die Gegenposition klar machen. Fehlt noch die Einleitung. 120 Minuten sind vorbei und noch kein Wort geschrieben. Die erste Mitschülerin gibt ihr Blatt ab.


Influenza Bookosa. Die Grundlage für meine Einleitung. 

35 Minuten später und ich hab meine Einleitung, die Gegenposition und das erste Argument vorformuliert. Noch nichts auf mein Klausuren-Blatt geschrieben. Höchste Zeit, mal aufs Klo zu gehen...

... um dort auf zwei Mitschülerinnen zu treffen, die beide schon nach 90 Minuten fertig waren. Und ich hab immer noch nicht wirklich angefangen. Läuft bei mir!

Zurück im Klassenzimmer, schnell die Einleitung und den Rest abschreiben, gleichzeitig überdenken. Fehlen nur noch zwei Argumente und der Schluss. Dank meiner gemütlichen und intensiven Vorarbeit geht das aber recht fix, sodass ich das nicht mal mehr vorschreiben muss. Eine halbe Stunde vor Abgabeschluss das letzte Wort. Jetzt nur noch die Gliederung! Gut, dass ich die bei der Vorarbeit schon grob skizziert hab, sodass ich nur noch schöne Formulierungen finden muss. Eine Viertelstunde später ist auch das getan und ich kann mich entspannt zurücklehnen. Mittlerweile sind außer mir nur noch zwei andere im Raum. Irgendwie hab ich Lust, meinen Text nochmal zu lesen.

PREMIERE! Das war das erste Mal in meiner Schullaufbahn, dass ich eine Deutsch-Schulaufgabe nochmal gelesen hab! Und danach sogar recht zufrieden mit mir war. Bin jetzt gespannt auf das Ergebnis.

720 Wörter in 230 Minuten. Drei handschriftliche Seiten, in der Zeit, in der andere ELF schreiben. Ja gut, beim Kommentar waren 800 Wörter vorgegeben ±10%. Passt doch :D

Irgendwie freu ich mich jetzt auf das Deutsch-Abi. Ich mein, so schlimm kann es doch gar nicht sein, oder? :)

(Spätere Anmerkung: Hatte in der Klausur 11 Punkte, also eine glatte Zwei. Im Abi auch, wobei ich im Abi tatsächlich gegen Ende tatsächlich in Zeitnot geraten bin...)

Kommentare:

  1. Huhu,

    ich bin leider immer zu ungeduldig zum Vorarbeiten. xD Und Interpretationen - urgh. Was richtig und was falsch ist, ist ungemein lehrerabhängig. Außerdem tun mir immer noch diese armen Autoren leid, die sich vermutlich ursprünglich gar nichts dabei gedacht haben. xD
    Dennoch, das klingt bei dir doch wirklich recht entspannt. ^^

    Liebe Grüße ♥

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    1. Wie macht man denn das ohne Vorarbeit? Ich würde da verzweifeln, weil ich keinen Schimmer hätte, was ich schreiben soll :D Lehrerabhänig hmpf. Da bin ich mir mittlerweile nicht mehr so sicher, weil ich bisher noch nie irgendwas richtig interpretiert hab. Wahrscheinlich läuft mein Gehirn auf einer anderen Wellenlänge oder so :D
      Weiß ich nich. Ich hab schon das ein oder andere Werk gelesen, bei dem ich mir dachte, wow! Das muss der doch absichtlich so gemacht haben, das geht gar nicht anders. Goethes Faust zum Beispiel. Aber bei Gedichten denke ich mir immer tatsächlich, was haben die Dichter bitte geraucht, dass sie auf so einen Müll kommen? Total unverständliche Sätze, die mir suggerieren, dass ich meine eigene Muttersprache nicht kann :P Wie man da was (falsch) hineininterpretieren kann, ist mir schleierhaft :D

      Liebe Grüße :)

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    2. Na ja, ich kritzel ein paar Sätze hin, habe aber nie Lust, eine vollständige Gliederung oder so zu verfassen. Das ist beim privaten Schreiben auch nicht anders, da plotte ich auch maximal andeutungsweise. :D
      Ja, natürlich, einige werden sich da was bei gedacht haben. Aber doch nicht alle und nicht immer in dem Ausmaß. xD

      Liebe Grüße :)

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    3. Wir müssen immer eine Gliederung abgeben, bisher hab ich die allerdings auch immer erst ganz am Schluss gemacht. So Analysen haben zwar einen genauen Aufbau, an den man sich halten sollte, aber da hab ich die einzelnen Aspekte immer Stück für Stück analysiert und gleich runtergeschrieben. Ging beim Kommentar nicht so wirklich, weil der ja einen viel freieren Aufbau hat...

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  2. Muahaha... Offenbar Schicksal, dass ich heute ebenfalls eine Klausur geschrieben habe. (okay, einen Tag später) Bloß, nicht so entspannt :D
    Ein bisschen mehr als fünf Seiten. Und ich bin wie üblich, nicht fertig geworden. Hmm. Und ich komme immer davon. In der Fünften habe ich nur für die Einleitung einer Geschichte eine Eins bekommen. In BK waren die Lehrer immer so begeistert von meinen unvollendeten Kunstwerken, dass ich trotzdem immer Einsen hatte.
    Von nicht fertiggeschriebenen Romanen werde ich definitiv nicht leben können. Und das Deutschabi auf diese Weise überleben? Eww...
    Das Problem ist, dass ich ziemlich gut im Interpretieren bin. Unserer Lehrer fand es jedenfalls beeindruckend und mit Stilmitteln komme ich auch klar... Ich denke, es ist ein Unterschied, ob man in Geschichte oder Deutsch interpretiert. Meine Aufsätze sind... lang. Auch wenn ich denke, dass man keine elf Seiten braucht, um wesentliche Argumente zusammenzufassen, ich finde vor allem, dass die Zeit einfach immer zu knapp wird. Immer. Jedes mal das Gekritzel in letzter Minute um einen Schlusssatz zu formulieren. Wenn ich es ernst nehme. In der allerersten Klausur dieses Jahr habe ich so gar nichts Ernst genommen und trotzdem immerhin elf Punkte geschafft. Ich bin gemütlich fertig geworden, hab meinen Text gelesen und alles kein Problem. Der Lehrer merkt das, und spricht mich drauf an. Ich könnte besser sein. Nun ja. Was passiert? Hektisch hingekritzelte Schlusssätze. 13 Punkte. Hmm. Ich habe Null Ahnung, wie diese Arbeit jetzt rauskommt.

    Ich war nicht mal auf dem Klo, weil ich es mir nicht erlaubt habe und hinterher gemerkt, wie sehr mir das gefehlt hat... Wenn ich schreibe, vergesse ich das einfach ganz.

    lg Mulan

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    1. Ich hab morgen auch nochmal eine Klausur... Geschichte/Sozialkunde. Hurra.
      Bisher bin ich in Deutsch-Klausuren auch immer nur knapp fertig geworden. Und ich hatte nie eine Eins. Doch, im Grammatik-Test :D
      Stilmittel finden ist nicht das Problem. Interessant wird es, wenn man die Bedeutung analysieren darf. Ich mein, ich verwende selbst gerne irgendwelche Stilmittel, aber ohne groß nachzudenken, weil es einfach gut klingt. Woher soll ich denn wissen, dass der Verfasser das nicht auch so macht? Ich kann (Text-)Analysen einfach nicht mehr ernst nehmen :D
      Joa, es gibt vielleicht einen Unterschied, aber in meinen Interpretations-Fähigkeiten findet man den bestimmt nicht :D
      Wie bitte schaffst du elf Punkte, OHNE DIE KLAUSUR ERNST ZU NEHMEN???? Das hab ich erst einmal geschafft, und da hab ich echt viel rumanalysiert (gut, es war ein Sachtext, mit denen komm ich grundsätzlich besser klar, aber trotzdem).
      Für einen Schluss hab ich meistens keine Lust mehr. Das muss so reichen, finde ich :D

      So, und jetzt sollte ich wohl noch die restlichen dreieinhalb Seiten Geschichte lernen... Kann mir Schöneres vorstellen...

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